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Jesus Christus spricht: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“
Gedanken zur Jahreslosung Johannesevangelium 14,1 von Dekan Jörg Dittmar
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Ob ich Ihnen wirklich eine Situation wünschen soll, in der man die Jahreslosung und solch ein Wort Jesu brauchen kann? Wenn einer sagt „Nicht erschrecken!“, dann ist es ja in der Regel zu spät. Man ist erschrocken. Etwas ist einem in die Knochen gefahren und die Schreck-Sekunde eingetreten. Wie gut, wenn man dann jemand zur Seite hat, der beruhigt und Mut zuspricht. Aber wär´s nicht besser, uns würden Schreck-Sekunden jeglicher Art erspart?
Im vergangenen Jahr war das nicht so – bei mir jedenfalls. An eine Schreck-Sekunde erinnere ich mich besonders: Ich war kurz aus dem Auto gesprungen, um einen Brief in den Briefkasten zu werfen. Als ich mich umdrehe und wieder einsteigen will … wo ist mein Auto? Und jetzt sehe ich: Es rollt rückwärts den Berg hinunter. Die Handbremse war nicht gezogen! Ich spurte los, erreiche es, reiße die Tür auf, schwing mich hinein, bremse, schau in alle Spiegel: Gott sei Dank! Es ist nichts passiert. Und Herz und Hirn waren bis zum Rand voll mit Panik und Dankbarkeit.
„Erschrecken“ – in dieser kleinen Begebenheit war es wie ein Aufwachen. Man wird aufgeschreckt aus Gewohnheiten, Trägheiten, müder Gedankenlosigkeit und dem alltäglichen Trott. Schön ist das nicht, so aufgeschreckt zu werden. Aber in Sekundenbruchteilen wird man hellsichtig und hellwach.
Den Jüngern Jesu mag das so ähnlich gegangen sein. Lange schon waren sie mit ihm unterwegs gewesen und waren gewohnt an das gemeinsame Leben. Und dann redet er plötzlich von Abschied und vom Sterben. Das fährt ihnen in die Knochen. Die Schreck-Sekunde ist längst eingetreten, wenn er sich nun tröstend an ihre Seite stellt mit dem Zuspruch: „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt…!“ Hellwach waren sie in diesem Moment. Aufgeschreckt aus Gewohnheiten spürten sie in diesem Moment, wie sehr sie an ihm hängen. Und in diesem Moment sind sie nicht allein.
Schreck-Sekunden 2010? Ich zögere, Ihnen so etwas zu wünschen. Und wenn, dann sollen es nur ganz wenige sein – und natürlich solche, wo uns neben dem Erschrecken auch Dank durchflutet. Aber vielleicht brauchen wir sie doch – ein paar wenigstens davon: Momente, in denen wir hellwach werden, das Wesentliche sekundenschnell begreifen und spüren, dass wir bewahrt, geschützt und getragen sind. „Euer Herz schrecke nicht!“ sagt der, der uns in solchen Momenten nicht im Stich lassen wird. Und Glauben beginnt damit, dankbar überstandene Schreck-Sekunden nicht zu vergessen.
Ihr Jörg Dittmar
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